Reise ins Ich: Unsere Lieblingssettings (Ep. 6)
Shownotes
Lieblingssettings im Rollenspiel: Wie Welt, Gefühl und Erfahrung zusammenfinden
Was macht ein Setting zum Lieblingssetting? Ist es das Regelsystem, die Spielwelt, die Gruppe oder etwas ganz anderes? In dieser Episode nehmen Oliver und David euch mit auf eine sehr persönliche Reise durch ihre jeweilige Rollenspielgeschichte und sprechen darüber, wie sich Vorlieben entwickeln, verändern und manchmal auch völlig überraschend verschieben.
Ausgehend von aktuellen Spielerfahrungen geht es zunächst um erste Male nach vielen Jahren Rollenspiel: neue Gruppen, Safety-Gespräche, auf Englisch leiten und die Frage, was all das mit der eigenen Entwicklung als Spielleiter zu tun hat. Von dort aus entfaltet sich ein Gespräch über Fantasy, Science Fiction, Cyberpunk, Horror und darüber, warum manche Settings sofort „klicken“, während andere trotz objektiver Qualität nie zünden.
Im Zentrum steht die Erkenntnis, dass Lieblingssettings selten rational entstehen. Sie sind das Ergebnis von Erfahrung, Neugier, persönlicher Geschichte, emotionaler Resonanz und dem Mut, Dinge auszuprobieren. Am Ende geht es weniger um die eine richtige Antwort, sondern um einen Prozess, der sich über Jahre – manchmal Jahrzehnte – entwickelt.
Highlights & Timestamps
00:00:00 Begrüßung und Thema der Folge: Lieblingssettings im Rollenspiel 00:08:06 Lieblingssettings sind selten eindeutig: Davids erste Einordnung 00:15:40 Mut machen: Warum jeder Spielleiter werden kann 00:25:20 Die Kernfrage: Was erzeugt das „wohlige Gefühl“ beim Leiten? 00:25:58 Davids aktuelles Lieblingssetting: Low Fantasy in angepassten Forgotten Realms 00:29:17 Analyse: Welt, Spieler, System – was ist wirklich wichtig? 00:30:58 Olivers Antwort: Kult als emotionales Extrem und Ausnahme 00:37:47 Was ist entscheidend: Setting, System oder Spieler? 00:44:19 Wie findet man sein perfektes System? 00:44:51 Davids Antwort: Ausprobieren, iterieren, lernen 00:46:38 Olivers Ansatz: Große Systeme scheibchenweise erkunden 00:50:16 Erfahrung schafft Klarheit: Was man nicht mehr braucht 00:52:08 Fazit: Mut, Neugier und Offenheit als Schlüssel
Wichtige Takeaways
- Lieblingssettings entstehen selten aus Theorie, sondern aus Erfahrung.
- Persönliche Geschichte, Emotionen und Interessen spielen eine größere Rolle als Regeln.
- Erste Male bleiben auch nach Jahrzehnten Rollenspiel wichtig und prägend.
- Safety-Gespräche können gerade bei neuen Gruppen Vertrauen schaffen.
- Ein Setting funktioniert nur, wenn sich alle bewusst auf Stimmung und Ton einlassen.
- Systeme lassen sich scheibchenweise erkunden, statt sie vollständig „studieren“ zu müssen.
- Ausprobieren ist wichtiger als Optimieren: Der Weg ist Teil des Ziels.
- Mit Erfahrung wird klarer, welche Systeme, Genres und Gruppengrößen wirklich passen.
- Es ist völlig legitim, bestimmte Regelmonster oder Genres bewusst hinter sich zu lassen.
- Lieblingssettings können Ausnahmeerlebnisse sein, nicht zwingend Dauerzustände.
Links & Ressourcen
- Delta Green (Modernes Horror- und Mystery-Rollenspiel)
- Traveller (Klassisches Science-Fiction-Rollenspiel)
- Kult: Divinity Lost (Kontemporäres Horror-Rollenspiel)
- Savage Worlds (Genreübergreifendes, schlankes Regelsystem)
- Dungeon World (Narrativ geprägtes Fantasy-System)
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Transkript anzeigen
00:00:00: Oliver: Herzlich willkommen bei zwei W zwölf Die besten Spielleiter der Welt dem Rollenspiel Podcast für Spielleiter und Spielleiter innen. Mein Name ist Oliver.
00:00:09: David: Und ich bin der David.
00:00:11: Oliver: In dieser Folge sprechen wir mal darüber, was unser Lieblings Setting eigentlich ist und wie wir dazu gekommen sind. Und wir wollen euch auf eine kleine Reise mitnehmen durch unsere eigene Rollenspielentwicklung und da vielleicht ein paar Tipps geben, wie man so sein Lieblings setting definieren kann, was für Faktoren wichtig sind, um es zum Lieblings setting zu machen und vor allem auch vielleicht ein bisschen Mut machen, ein Setting als Spielleiter oder Spielleiterin zu erkunden und auch keine Angst zu haben vor dem antizipierten Aufwand, der vielleicht dahinter steckt, so ein System und ein Setting kennenzulernen. Aber jetzt erstmal eine einfache Frage an dich, David, bevor es losgeht Was hast du denn letzte Woche im rollenspielerischen Sinne erlebt? Hast du Rollenspiel gemacht? Was hast du vielleicht gelernt? Wie sieht denn aktuell der Status quo deiner Rollenspielkarriere aus?
00:01:01: David: Ja, gute Frage. Oli passt sehr, sehr gut, weil gerade ist eigentlich relativ viel los In meiner Rollenspielkarriere. Ist sicherlich einer der rollenspielintensivsten Zeiten aktuell sowohl im einfach so unter der Woche dran denken und viel machen. Und natürlich hat das auch damit zu tun, dass wir diesen Podcast machen. Auf der anderen Seite spiele ich auch tatsächlich relativ viel, also mindestens, wenn man es so statistisch hochrechnet, vielleicht so gerade aktuell, vielleicht so einmal die Woche was wirklich relativ viel ist im Vergleich zu dem, was in den letzten Jahren so so war. Und also das ist sehr, sehr erfreulich. Und tatsächlich habe ich gestern gespielt und da will ich dir gleich auch ein bisschen was drüber erzählen, weil das war nicht nur einfach insgesamt sehr, sehr cool, sondern es gab auch so zwei erste Male für mich und das ist nicht so oft in meiner mittlerweile doch über dreißig jährigen Rollenspielkarriere, dass es wirklich so erste Male gibt. Und ich denke, die sind vielleicht ganz interessant. Einfach mal so auch für dich da, das zu hören.
00:01:59: Oliver: Erste Male nach über dreißig Jahren Rollenspielerfahrung. Auf jeden Fall ist das interessant für mich. Ich bin gespannt.
00:02:16: David: Ganz kurz zum Hintergrund Ich hatte ja erzählt in einem vorigen Podcast, dass ich so einen Stammtisch hier mal aufgesucht habe in Hamburg und da so ein paar Leute kennengelernt haben und dann auch so außerhalb dieses Stammtisches mit diesen Leuten dann so ein bisschen in Kontakt blieb und dann auch schon das ein oder andere Mal gespielt habe. Und da haben wir dann mehrere von denen gesagt, sie würden super gern mal Delta Green spielen, weil ich denen davon erzählt habe und die waren total begeistert und die hatten das halt selbst noch nicht gespielt. Und dann habe ich gesagt Klar, machen wir. Und gestern war halt so diese Einführungsession, Ich habe ein Abenteuer vorbereitet. So ein bisschen Abwandlung von was weiß ich schon mal geleitet habe, habe eine kleine Gruppe zusammengestellt von möglichen Agenten und dann haben wir gespielt und zwei erste Male gestern. Also nicht nur ich das erste Mal mit dieser Gruppe gespielt habe und dass die das erste Mal gespielt haben, sondern für mich tatsächlich zwei erste Mal das erste Mal. Das ist der erste Punkt ist tatsächlich, dass ich das erste Mal mir überlegt habe und es tatsächlich auch durchgeführt habe, am Anfang so ein bisschen über Safety zu sprechen im Spiel. Meine bisherigen Gruppen, die wir haben, schon so ewig miteinander gespielt, wir kennen uns, wir wissen, was wir machen können miteinander. Wir wissen, welche Themen wir ansprechen können. Wir wissen, dass wir alle relativ dickes Fell haben und was wir so mögen, was wir nicht mögen. Und das ist halt jetzt bei so einer Gruppe, wo sich die Spieler nicht kennen, wo ich noch nie mit den Leuten gespielt habe, war mir das wichtig. Gerade bei Delta Green, was ja schon dann so auch Themen berührt, die vielleicht ein bisschen komplexer sind, vielleicht ein bisschen schwieriger sind, vielleicht ein bisschen so in Anführungszeichen Erwachsenenthemen sind. Und das war mir sehr wichtig, dass wir darüber gesprochen haben am Anfang. Das war dann alles entspannt und das ganze Abenteuer ist auch jetzt nicht so, dass da was oder ich hab das nicht so angelegt, dass da irgendwie super krasse Themen vorkommen. Aber es war mir halt wichtig, mal kurz drüber gesprochen zu haben, dass ich auch alle so ein bisschen von diesen neuen Spielern, die sich auch insgesamt, die sich auch untereinander nicht gut kannten, da einfach auch ein bisschen sich wohlfühlen. Und das zweite Neue war, dass ich das allererste Mal auf Englisch gemeistert und gespielt habe. Das habe ich vorher noch nie gemacht. Obwohl ich mein Englisch ist, glaube ich ganz okay und ich benutze es für die Arbeit auch dauerhaft als Umgang, als Arbeitssprache bei uns. Aber es ist noch mal was anderes, habe ich festgestellt. Ähm, äh zu meistern, damit. Es ging überraschend gut. Ich habe gedacht, das ist vielleicht ein bisschen stockender oder ein bisschen, dass ich mehr nach Worten suchen muss. Das habe ich ja manchmal im Deutschen, dass ich da überlegen muss Was, was, was nehme ich jetzt für ein Wort? Aber das ging überraschend gut. Aber ich habe schon gemerkt, dass mir so ein bisschen einfach die, ähm, die Sicherheit fehlt ein bisschen das aktive Vokabular fehlt, wenn ich so bestimmte, sehr, sehr spezielle Sachen beschreiben möchte. Jetzt gar nicht so diese supergenauen super Detailsachen, die ihr Delta Green oder jetzt irgendwelche spezifischen Termini aus dieser Bürokratensprache, weil das war sowieso da kennen wir das kenne ich sowieso besser die englischen Worte als die Deutschen. Wir haben in den neunziger Neunzigern USA gespielt, das Setting aber so einfach jetzt mal Möbel beschreiben. Also wie heißen so unterschiedliche Formen von Schränken? Das ist alles nicht so super wichtig, aber da fehlt mir dann einfach so ein bisschen vielleicht das Vokabular. Und das fand ich aber ganz interessant. Was aber super funktioniert hat, ist einfach so diese diese Immersion über das Englische. Weil immer wenn ich Delta Green auf Deutsch spiele, kommen immer wieder so ein paar englische Begriffe rein, die mir dann einfallen und die dann natürlich auch zum Setting passen. Neunzehn hundert neunzig USA und das war dann gestern natürlich sehr, sehr, ähm, natürlich organisch. Und das sind so die beiden Punkte, von denen ich sage, das sind, das waren so Learnings das erste Mal und ich bin insgesamt sehr, sehr positiv, ähm Da rausgegangen mit diesen beiden ersten Malen und ja. Also es wird auf jeden Fall weitergehen. Auch mit der mit der Gruppe.
00:06:07: Oliver: Ja, hört sich ja spannend an, dann kann ich eigentlich dich hier aus dieser Runde jetzt verabschieden, weil das hört sich an, als wärst du jetzt schon der perfekte beste Spielleiter der Welt. Also erstmal auf Englisch leiten. Respekt. Wirklich. Auch wenn man gut Englisch kann usw. Das ist noch mal ein next level. Also von daher da schon mal das Thema. Und zweitens, dass du so einen ich nenne es jetzt mal frech zeitgeistiges Instrument wie so eine Safety Ansprache oder Consent dir da einholst. Zeigt ja auch, wie advanced du bist, was solche Instrumente angeht, weil das habe ich zum Beispiel auch noch nie benutzt, weil ich so. Ich bin ein alter weißer Mann, der einfach davon ausgeht, dass das, was er ertragen kann, alle anderen auch ertragen müssen und fertig ist die Geschichte. Also zwei Learnings, die da drin sind, die mich jetzt schon mal stark beeindrucken.
00:06:58: David: Ja, Danke. Also finde ich das nicht so beeindruckend. Aber ja, danke natürlich für das Lob. Und There is still so much to learn.
00:07:06: Oliver: Was man vielleicht noch nachschieben muss, weil ich mir vorstellen kann, dass nicht jeder von unseren zwei Zuhörern Delta Green auch kennt. Ja, Delta Green ist ja ein, grob gesagt Derivat von Call of Cthulhu. Ja, es spielt also im selben Kosmos, Es spielt in unserer Zeit. Das ist ein Setting, wo letztendlich Mystery, Horror und so, ja Agenten Verschwörungstheorien miteinander verschmolzen werden. Man nennt es ganz gerne auch so das Aktex unter den Call of Cthulhu Settings und basiert letztendlich regeltechnisch auch auf diesen Regeln. Hat mittlerweile da auch eigene Branches davon bekommen. Aber wenn nicht jeder weiß, was Delta Green ist, dann sei es jetzt hiermit einmal kurz erklärt. Auch vielleicht als Einstieg zu der Frage, was denn so dein Lieblingssetting ist.
00:07:59: David: David
00:08:06: David: Oh wow, super schwierig, die Frage zu beantworten mit einer einzigen Antwort. Ich würde das so ein bisschen aufsplitten in verschiedene Lieblingssettings. Ähm, Delta Green gehört auf jeden Fall dazu, dieses Setting, das du gerade sehr, sehr schön beschrieben hast. Also das wäre so mein Favorit, nicht Fantasy Setting, aber ich habe dann auch noch zwei oder drei Lieblings Fantasy Settings, über die wir gerne sprechen können. Ähm, wie ist es denn bei dir?
00:08:35: Oliver: Oli Ich fange gleich mal den Ball auf mit Fantasy Settings, weil wenn wir heute uns hier so unterhalten, dann ist es eigentlich eine glückliche Fügung des Schicksals. Denn theoretisch wären die Chancen auch sehr gut gewesen, dass wir nie irgendwie rollenspielerisch zusammenfinden, weil als wir anfingen mit Rollenspiel Wenn du dich so richtig daran erinnerst, war für mich Fantasy eigentlich so ein rotes Tuch. Ich hatte da gar keinen Bock drauf. Ich habe weder Fantasyromane gelesen noch mich irgendwie damit beschäftigt. Also dieses ganze Zwerge, Elfen und dann rennen die da rum in Ketten. Bikinis in so einem Pseudo Mittelalter Setting. Das war so meine Ignoranz damals. Und du warst ja eigentlich, wenn ich das so richtig mich erinnere, das sind ja so wirklich mindestens deine Wurzeln, aber auch so eine tiefe Verbundenheit dazu. Und ich im Gegenzug war halt so der Cyberpunk Science Fiction, düstere Science Fiction Typ, was so gar nicht deine Settings eigentlich sind. Und trotzdem haben wir es irgendwie geschafft, über die Zeit zusammen Rollenspiel zu machen und auch darüber hinaus andere Dinge wie zum Beispiel zu Powerlifting Wettbewerben gehen, an denen du teilnimmst und ich die Fanmeute choreographiere. Ja, aber auch eben jetzt diesen Podcast zu machen. Also um deine Frage zu beantworten ich war schon immer eher so in diesen kontemporären oder Science Fiction Settings eher gerne zu Hause als in den Fantasy Settings. Und um das vielleicht mal so ein bisschen auch aufzugreifen, was du ganz am Anfang gesagt hast Auch für mich ist die Antwort nicht einfach Ja, es ist dieses Setting und das war es dann, sondern ein bisschen komplexer. Und ich würde tatsächlich vorschlagen, um dieser Frage nach dem Lieblings Setting genug Raum zu verschaffen, dass wir vielleicht mal so ein bisschen chronologisch durchgehen und überlegen, wie war denn so parallel gesehen unsere Entwicklung in Rollenspielsystemen? Also der Anfangspunkt ist ja schon gesetzt und deshalb noch mal zurück an dich. Das stimmt doch, wenn ich sage, dass eigentlich so wirklich so deine rollenspielerische Wurzel ganz klar im klassischen Fantasy verhaftet war, oder?
00:10:40: David: Absolut. Du erinnerst dich ein hundert Prozent korrekt. Und ich hatte, als wir uns kennengelernt hatten haben habe ich nie hätte ich nie gedacht, dass ich mal sage nicht Fantasy ist mein Lieblings Setting und da kommt gar nichts anderes mehr. Es war tatsächlich so ich habe mit Fantasy angefangen. Wir haben damals die Second Edition gespielt, Anfang der neunziger, glaube ich drei und neunzig angefangen und wir hatten in dieser Edition gespielt, gab es in der deutschen Übersetzung und wir haben gespielt in einem von unserem damaligen Spielleiter Tim, der mich zum Rollenspiel gebracht hat, in einem eigenen, einer eigenen kleinen Fantasywelt, die fokussiert war auf so einen riesigen großen Wald mit so drei kleinen Dörfern in der Mitte und so ein paar Städten drumherum. Ähm, und das war dann sozusagen das Setting, mit dem ich angefangen habe. Und wie gesagt, für ganz, ganz lange gab es dann auch gar nichts. Und dann irgendwann kamst du, also mein Rollenspielleben und wir haben uns, dann kommen wir dann gleich auch dazu, wenn wir so die Chronologie durchgehen, haben dann ja auch zusammen Fantasy gespielt beim Resa und dann kamst du dann irgendwann und hast vorgeschlagen Hey David, du spielst jetzt Delta Green und äh, ja, The Rest is history, wie man so schön sagt.
00:11:55: Oliver: Ja, ich glaube, parallel dazu war es bei mir ähnlich. Ich habe natürlich auch meine ersten Rollenspielerfahrung mit klassischem Fantasy gemacht, weil damals ein guter Freund mir das mal so nahe brachte. Guck dir das mal an, da war dann auch besagter Resa mit drin, den ich dann auch als Spieler kennengelernt habe und das war so auch so ein klassisches Fantasy Setting und sowas. Und was mich damals mehr als das Setting fasziniert hat, ist tatsächlich dieses Boah krass, Man kann ein Spiel machen, was letztendlich nicht begrenzt ist durch das, was auf dem Brett gemalt ist oder irgendwelche Spielkarten, die man in der Hand hat oder irgendwie damals noch sehr in den Kinderschuhen steckende Videografik, sondern man kann völlige Freiheit erleben und kann Dinge tun. Also das hat mich damals so gepackt und dann bin ich relativ schnell halt auch auf diesen Trichter gekommen, dass der größte Spaß an diesem Spiel für mich der sein wird, Spiel zu leiten und nicht zwingend als Spieler mitzuspielen. Und tatsächlich war deswegen mein erstes Spielsystem, was ich gekauft, gelesen und auch damit angefangen habe zu spielen. Traveller Das ganz klassische Science Fiction Space Opera Game Traveller, also klassischer Science Fiction, kann eigentlich gar nicht sein. Auch ähnlich alt, muss man sagen wie D&D, also auch auch aus dieser Generation dieser Rollenspiele. Und das war dann tatsächlich auch so, dass ich da ganz schnell meine erste Kampagne, meine erste Spielgruppe hatte und damit losgelegt habe. Also so war bei mir das damals und Fantasy ganz weit weg. Da konnte ich mir auch nicht vorstellen, jemals Fantasy zu spielen, weil wie gesagt, diese ganzen Dinge mich so gar nicht so richtig interessiert haben.
00:13:38: David: Ja, aber ganz interessant. Das war bei mir am Anfang auch so, ganz am Anfang. Mein Bruder hatte sich, als noch bevor ich tatsächlich angefangen da war mein Bruder drei Jahre jünger als ich und der hat dann irgendwann mal zu Weihnachten so diese DSA Box Einsteigerbox bekommen oder sich gewünscht oder gekauft oder wie auch immer. Er hatte das bekommen und er wollte das dann immer spielen. Ich habe dann irgendwann gesagt, das interessiert mich gar nicht so irgendwie so Zauberei und irgendwie so Mittelalterkram. Und dann, aber irgendwann ein Jahr später oder anderthalb Jahre später war dann kam dann meine Freunde und habe mich gefragt, ob ich das nicht mal ausprobieren will. Die könnten sich vorstellen, dass das irgendwie, dass mir das Spaß macht. Und so habe ich gesagt Ja, von mir aus kann mir das nicht so richtig vorstellen, aber ich gucke mir das mal an, ja, und dann war ich halt wirklich so vom ersten oder zweiten Spiel war ich halt komplett hin und weg und war total geschockt. Ähm und dann hat mich Fantasie nicht mehr losgelassen. Wirklich so in dieser ganzen Zeit. Vielleicht noch einen, noch einen Punkt, was bei mir sehr anders war als bei dir. Ich habe relativ spät erst, also wirklich. Ich habe dann habe dann sicherlich schon ein zwei drei Jahre gespielt, habe ich dann das erste Mal selbst geleitet. Ich habe mir das eine ganze Zeit lang auch einfach nicht zugetraut, hatte da auch jetzt nicht so ein große großes Interesse dran. Ich fand das genial, als Spieler diesen Charakter halt auszuarbeiten und so richtig tief einzusteigen und mir so so viele Gedanken um den Charakter zu machen und ähm. Regeln von der Regelseite, aber vor allem auch von der narrativen Geschichte Seite Biographie, Story. Wo soll der Charakter hingehen? Mir da so viele Gedanken zu machen und das auszuspielen, dass ich gar nicht gedacht auf die Idee kam, So ähm, ich will jetzt aber auch den den Rest der Welt mitentwickeln und entwickeln und mir Abenteuer ausdenken. Aber wie gesagt, ein ganz großer Teil war auch so, ich habe mir das dann auch nicht so richtig zugetraut am Anfang und die ersten zwei, drei Male, die ich dann geleitet habe. Das war dann auch, also für mich nicht so cool, aber auch für meine Spieler glaube ich nicht so, nicht so nett irgendwie. Ich glaube, es war auch nicht so gut. Das kam dann mit der Zeit, wo ich es einfach dann halt mehr gemacht habe. Aber genau. Also ich war am Anfang auch immer Spieler und ich bin ja auch immer noch jetzt sehr gerne Spieler.
00:15:39: David: Ja.
00:15:40: Oliver: Wobei ich ehrlich gesagt da mal ganz kurz einschreiten möchte, weil das, dass man sich da das erste Mal vielleicht nicht zutraut, verstehe ich auch aus dem Grund, dass halt natürlich irgendwie übelste Menge an Text und Regeln und Sachen gibt, die man verstehen und lesen muss. Also es ist schon ein bisschen intensiver, sich als Spielleiter in so ein Spiel reinzufuchsen als reiner Spieler. Aber gleichzeitig möchte ich trotzdem noch mal so wir hatten es in einer anderen Folge ja schon mal thematisiert den Leuten Mut machen, auch selber Spielleiter zu werden, selbst wenn vielleicht die ersten Gehversuche noch nicht so optimal sind und auch nicht so funktionieren, wie man es vielleicht will. Ja, und bei mir war es ganz genauso. Also ich habe damals, dann habe ich glaube ich schon mal auch erzählt in der Folge einfach ein Abenteuer gespielt, was dann im Buch abgedruckt war, was sich dann als eigentlich gar kein Abenteuer herausstellte und ich dann irgendwie gezwungen war zu improvisieren, damit meine Spieler nicht völlig enttäuscht waren. Und auch dieses ganze Handeln von Regeln und von wie funktioniert das jetzt und im Kampf die ganzen Sachen durchzuführen usw das ist schon relativ viel Druck. Man wird ja zu so eine Art Computer, der eine ganze Welt simulieren muss und man hat dadurch sehr, sehr viele Aufgaben am Tisch. Aber dem kann man eigentlich aus meiner Sicht ganz gut begegnen, weil der Anfang der meisten Rollenspielrunden ist ja eher der, dass man sich mit seinen Freunden trifft und was macht. Also, dass du jetzt eben erzählst Hamburger Stammtisch, neue Leute kennengelernt und ihr spielt mal miteinander. Das kommt aus meiner Erfahrung erst später. Man kommt nicht durch zum Rollenspiel, wenn man denkt Oh, ich würde es gerne mal ausprobieren und sich einen Stammtisch sucht. Meistens zumindest nicht. Und ich glaube, wenn man halt das am Anfang auch gerade als Spiel sieht Keiner wird dich irgendwie dumm anmachen, wenn du irgendwie das neu gekaufte Tabletopspiel nicht gleich jede Regel verstehst oder irgendwas falsch machst daran oder sonst was. Ja, das kennt man selbst von einfachsten Gesellschaftsspielen, dass man nicht beim ersten Mal sofort alles perfekt macht. Und so ist es beim Rollenspiel auch. Und ich glaube halt einfach, bei mir war dieser ganz starke Motor, der ich das Gefühl hatte Wow, ich kann Welten kreieren, ich kann das, was in meinem Kopf so stattfindet, nachdem ich einen Film geguckt habe oder ein Buch gelesen habe, Irgendwie nach draußen bringen und dann noch Leute mit reinbringen und das gemeinsam erleben. Und alles andere, dieses respekteinflößende Mammutprojekt, was da vermeintlich vor einem liegt. Das hat mich dann habe ich scheibchenweise angegangen und für mich so erarbeitet und bin dadurch mit Sicherheit als Spielleiter auch souveräner geworden und vielleicht dadurch auch ein bisschen besser. Aber nach wie vor bin ich auf der Reise und suche die Möglichkeiten zum besten Spieler der Welt zu werden. Also man lernt ja nie aus. Und bitte nie die Angst haben und nie sich denken oh Gott, das ist mir zu viel. Ich glaube, jeder kann Spiel leiten, jeder wird einen anderen Stil haben und es gibt eigentlich auch keine Vergleichbarkeit. Wichtig ist nur, dass man halt irgendwie Spaß gemeinsam am Tisch hat. Dass vielleicht so als kleiner Appell da nach draußen.
00:18:39: David: Na ja, super, kann ich alles ein hundert Prozent unterschreiben.
00:18:45: Oliver: Sehr schön. Dann mal ganz schnell noch mal eine nächste Frage. Du hast gesagt Ja, du hast dann relativ lange erstmal nichts gemacht, außer Fantasy zu spielen. Jetzt. Irgendwann hätte ich gesagt So, du spielst jetzt mal Delta Queen. Aber ist das wirklich so der Turning Point gewesen oder was war tatsächlich so? Dann das erste Nicht Fantasy Spiel, was du ernsthaft mit Spaß über längere Zeit dann auch mal angefangen hast?
00:19:10: David: Also wenn ich mich jetzt nicht mein Gedächtnis sehr sehr trügt, war es genau so. Ähm, also ich weiß nicht, ob ich Makoto mal ob wir mal zusammen gespielt haben vorher, bevor wir Delta Green gespielt haben. Das kann ich mich jetzt nicht dran erinnern, aber wenn, dann war es mal halt so ein so ein OnEshot oder so was und ähm. So, und wenn unsere Delta Green Kampagne kam dann später. Aber ich kann mich wirklich so als allererstes, wo ich gesagt habe Wow, das ist wirklich eine komplett andere ähm aber gleiche für mich spielen Level Spielfreude Möglichkeiten mich auszuleben, mein Charakter zu entwickeln, Geschichten zu erzählen mit den anderen über meinen, mit meinem Charakter in dieser Welt, dass ich mich zu ein hundert Prozent wohlgefühlt habe in einer Non Fantasy Welt war Delta Green. Es ist auch nicht so, dass mir jede Fantasy Welt gefällt. So ist es auch nicht. Ich habe da schon sehr, sehr, sehr, sehr konkrete Vorstellungen. Ich habe mir da mal vor einiger Zeit mal Gedanken gemacht, Was, wenn sich das so auf einen Nenner bringen lässt, können wir auch gleich nochmal drüber sprechen. Aber jenseits dessen wirklich? Also Delta Green ist so das erste Mal, wo ich gesagt habe so non Fantasy, aber da bin ich, fühle ich mich ein hundert Prozent wohl und zu Hause und das kann ich, das könnte ich immer spielen.
00:20:22: Oliver: Ja das also da hatte ich noch eine längere Entwicklung tatsächlich hin. Also bei mir war es so, dass ich Traveller ging dann los, aber in der Zeit, wo ich Traveller gespielt habe, habe ich sehr, sehr stark mein Interesse für das Genre des Cyberpunk entdeckt. Also hab dann angefangen, William Gibson zu lesen, also den Klassiker. War komplett fasziniert von diesen Romanen. Auch der Leser hat diese Bücher gelesen und wir waren wirklich so von diesen Büchern richtig begeistert, fanden das ganz toll. Parallel dazu kam dann auch in Deutschland so dieser Hype rund um Shadowrun auf. Ja. Was mir aber als Rollenspiel nicht gefallen hat, weil da wieder diese Elfen und Zwerge drinne waren. Ich dachte What the fuck. Cyberpunk ist doch so ein geiles. Damals war ich auch jung. In der Jugend ist man auch so ein bisschen rebellisch und mein rebellisches Ich sagte Yes! Das ist eine Warnung an uns als Gesellschaft. Lasst es nie dazu kommen. Und war dann so ein bisschen so Dieses Punk in Cyberpunk war, was mich fasziniert hat. Das war auch das Thema Cyber. Also diese Technologie Komponente, die sich so realistisch anfühlt, fühlte ich. Man muss dazu sagen, wir hatten damals noch kein Internet, als es losging. Wir hatten damals keine mobilen Endgeräte wie heute usw und dort wurde also eine Zukunftswelt prognostiziert, in dem es exakt das gab. Und das war alles so wild, imaginativ und gleichzeitig auch trotzdem irgendwie sozialkritisch. Es war düster, es war Action. Das passte zu den Lieblingsfilmen, die ich damals so hatte. So, und aus diesem Interesse für Literatur und Filme aus diesem Genre ist dann so die Suche nach einem Cyberpunk System entstanden. Eben dann Shadowrun angetestet Cyberpunk zwei tausend zwanzig den Klassiker angespielt. Dann auch lange Rede kurzer Sinn ein eigenes System entwickelt und dann wirklich jahrelang bis eigentlich zu dem Zeitpunkt, wo ich ins Studio musste relativ weit weg hier von Hessen nach NRW habe ich dieses Cyberpunk mehrere Jahre wirklich gespielt und geliebt. Und dann durch den Umzug ist so meine Spielfrequenz und auch so, dass ich überhaupt gespielt habe, derart eingeschlafen reduziert worden, dass ich eigentlich ein paar Jahre keine nennenswerte Rollenspielkarriere mehr hatte.
00:22:37: David: Ich wollte nur sagen ich habe, ich habe halt diesen Cyberpunk, äh, dieses Cyberpunk, ähm, Phase übersprungen. Und das ist halt wirklich ein Setting. Ich bin jetzt nicht so der Science Fiction Fan, nie gewesen. Ich habe noch nie, glaube ich, in meinem Leben einen Science Fiction Roman gelesen. Also jetzt so klassische Science Fiction, ähm, Asimov oder auch so? Ich weiß nicht. Ich habe glaube ich mal mit Dune angefangen, aber es dann nie fertig gelesen. Wobei kam ja auch das Streiten. Ist das wirklich Science Fiction? Aber so ganz klassische Science Fiction habe ich noch nie ein Buch gelesen, zumindest nicht fertig gelesen. Und dieses Cyberpunk reizt mich gar nicht. Und ich habe lange überlegt, gerade auch, weil wir natürlich auch schon oft darüber gesprochen haben und du mich ja auch schon eingeladen hast, wie auch schon mal zusammen gespielt haben, warum mir das so gar nichts gibt. Und also zum einen habe ich halt gar nicht so diesen Background. Ich habe es nie gelesen, ich kam nie dazu. Ich bin jetzt auch nicht so ein Fan von diesen Film. Ähm, also Blade Runner habe ich einmal gesehen, im Gegensatz zu dir, der ja irgendwie mitsprechen kann. Dafür habe ich Conan der Barbar, glaube ich, irgendwie halt dreißig mal gesehen. Aber du glaube ich auch. Also das ist nicht nichts, was uns unterscheidet. Ähm, also ich habe da ich habe da keinen Background und ich muss auch sagen, also ich finde weder die Charaktere besonders interessant, die sich da so tummeln, noch die Geschichten, die ich bisher so mitbekommen habe, die da so erzählt werden, so von diesen, so diese, diese super Kapitalismuskritik ist das ja im Wesentlichen, ne? Ähm, ja klar. Und halt so dieses Söldnerding und so, dieser moralische Nihilismus und so, ähm, das finde ich, das finde ich interessant, aber ich möchte das irgendwie nicht spielen. Und ich, ich. Wahrscheinlich kann man da auch Geschichten erzählen, die mir gefallen würden. Aber ich, ich. Ich sehe es nicht so richtig. Und das. Ja, das liegt an mir. Natürlich. Das ist. Das ist eine Präferenzfrage. Aber da kam ich halt nie so richtig rein. Ähm, ich habe jetzt in den letzten Wochen habe ich Andor gesehen, diese Star War's Serie und muss sagen, das hat mir sehr gefallen. Einfach. Ich bin jetzt überhaupt kein Star War's Mensch, aber da hat mir. Habe ich gesagt also wenn ich eine Star War's Kampagne mal spielen würde, als Spieler oder als Spielleiter, irgendwie Science Fiction angehaucht oder Science Fantasy wie wie Star War's vielleicht auch. Er ist. Dann müsste sie so ein bisschen sein wie Andor, Also gar nicht so fokussiert auf diesen ganzen Jedi und so Aliens Kram, sondern wirklich relativ nah so an der politischen, gesellschaftlichen Realität. Das so ein bisschen und das gefällt mir natürlich auch an Delta Green, das vielleicht noch ganz kurz ich mich interessiert das halt so diese äh, diese sozialen Settings, diese Institutionen, Bürokratie, Politik, die Verschwörung. So gerade wenn wir in den neunziger spielen, da ist das ja gerade, kommt das ja so richtig hoch, diese Verschwörungstheorie, New World Order usw und damit so eine kleine Prise Mythos rein. Finde ich großartig. Nee.
00:25:20: Oliver: Das klingt nachvollziehbar. Vielen Dank. Jetzt haben wir also schon mal das Thema Historie abgehakt. Du hast sehr begeistert von Delta Queen gesprochen und ein starkes Plädoyer für Fantasy Settings abgegeben. Jetzt wäre als nächster, als nächster Schritt aus meinem Sinn mal interessant. Aus deinem Bauch heraus, aus deiner aktuellen Stimmung heraus. Ganz konkret die Frage, welches Setting und damit meine ich tatsächlich Setting im Spiel Regelsystem dahinter, aber auch Setting hinsichtlich der Zusammensetzung deiner Spieler. Was erfüllt dich denn da mit dem wohligen Gefühl?
00:25:58: David: Ja, das wohlige Gefühl ist das, was ich tatsächlich gerade spiele. Wir spielen in einer sehr, sehr, sehr, sehr stark abgewandelten Forgotten Realms Welt. Das ist im Wesentlichen ein paar Namen aus der Welt. Also gerade was Götter Goethe angeht und vielleicht ein paar Reiche angeht. Dann so eine sehr abgewandelte oder total abstrahierte Karte der Forgotten Realms mit so einigen Ländernamen wie Tamara Wasa. Die habe ich diesen behalten. Ansonsten habe ich da eine super Low Fantasy Version draus gemacht und das ist wahrscheinlich auch so ein bisschen so der gemeinsame Nenner aller meiner Lieblings Fantasy Sachen. Das ist, dass ich eher so in Richtung Low Fantasy tendiere. So ein bisschen eher dreckig, ein bisschen eher weniger fantastische Kreaturen. Ähm Elfen und Zwergen sind selten, ähm, verschiedene Menschenkulturen, die auch unterschiedlich. Darüber haben wir ja auch schon mal gesprochen, die unterschiedlich und identifizierbar sein müssen. Einfach damit es auch einen Unterschied macht, aus welcher Kultur man kommt, die unterschiedliche Namen haben, die unterschiedlich sprechen, die sich unterschiedlich kleiden, die andere unterschiedliche kulturelle Vorstellungen haben. Das ist so meine Forgotten Realms, die ich mir vorstelle. Ich habe mir dann so ein paar Götter und einen Kanon von ich weiß nicht zwölf fünfzehn Göttern rausgesucht und das sind halt die Götter, die es gibt, nicht diese Unmengen von Göttern, die alle unterschiedliche Pantheons. Dann halt noch sind, die alle nebeneinander existieren? Nein, das habe ich dann auch wirklich so gemacht, so ein Pantheon von Göttern. Und dann mag es vielleicht noch so ein paar Halbgötter oder sowas geben, aber das ist so das, wie ich das angepasst habe. Spielen tun wir aktuell eine Kampagne, die nennt sich Blutland. Die spielt in dem Grenzgebiet zwischen Vaasa und Tamara. Das ist im Nordosten von Faerun. Und in meiner Vorstellung ist das so das Grenzland, sehr ähnlich wie so Russland, Finnland. Also was da tatsächlich dann so ein Land beherrscht von oder bewohnt, im Wesentlichen von so semi nomadischen Rentierzüchtern, die da halt so in ihren Sippen durchs Land ziehen. Und da Mara dann so ein bisschen mittelalterliches Russland, ähm, das sehr stark mit der Kirche des Sonnengottes in meiner Welt ist das dann in meiner Vorstellung der Forgotten Realms? Ist das tatsächlich Helm, der Wächtergott, der die Sonne darstellt? Also sehr, sehr davon weggehend, wie die Forgotten Realms eigentlich beschrieben sind. Also ein sehr starker kirchenstaatliche Kirche Verbindungen haben und dass diese. In dieser Blutlandkampagne geht es halt sehr sehr stark um so die Konflikte, die aus diesem Zusammenprall, von dieser seminomadischen Kultur mit dieser mittelalterlichen Russland inspirierten staatskirchlichen Kultur, dann, was sich daraus so ergibt. Und spielen tun wir Savage Worlds zurzeit ein Spielsystem, das, ähm, so, so genreübergreifend eigentlich ist. Ja, ganz nett. Ist jetzt nicht so mein Favorit System. Wir probieren bei der nächsten Session dann auch mal Dungeon World aus. Da habe ich einiges davon gehört. Habe schon ein paar Mal mir angeschaut, wie das so funktioniert. Habe selbst noch nicht gespielt. Bin ich super gespannt drauf. Werde ich dir auch erzählen und was das Setting in Beziehung. Was Spiele angeht, würde ich sagen, so mein Sweet Spot sind Spielleiter und drei bis vier Spielerinnen. Das ist so für mich so, der als Spieler und Spielerinnen ist so für mich der so der Sweet Spot an Anzahl von Spielern.
00:29:17: Oliver: Ja, hört sich ja spannend an, wenn ich das jetzt mal kurz gewichten wollen würde. Einfach nur aus der Ausführlichkeit und der Tonlage, in der du es beschreibst, würde ich jetzt mal behaupten, dass da das Du dein Lieblingssetting in erster Priorität daran festmacht, wie die Welt funktioniert, wie sie sich, wie sie aussieht, wie sie sich für dich anfühlt. Weil das war so das aus ich sag mal, da hast du am intensivsten drüber gesprochen. Das zweite, wo du im Prinzip am Zweitmeisten drüber gesprochen hast, auch wenn es ein ganz knapper Gewinner nur ist, ist das Thema ähm, der Spieler und Spielerinnen. Zusammensetzung und Gruppengröße und das, was der am unwichtigsten ist, um ein gutes Gefühl zu haben, war. Eigentlich hast du nur mit ein, zwei Worten gesagt Das System. Habe ich das so richtig wahrgenommen? Und wenn ich das mal so einordne.
00:30:08: David: Würde ich sagen ja. Also. Also ich würde sogar vielleicht sogar noch sagen, dass die Spieler mir am wichtigsten sind, aber die sind ja da. Da muss ich mir nicht so viel Gedanken machen. Die sind da, die wollen auch mit mir spielen, ich will mit denen spielen. Also da muss ich mir nicht so viele Gedanken machen. Was mir wichtig ist tatsächlich die Anzahl der Spieler. Dass es nicht zu viel ist, das habe ich festgestellt. Jetzt in meiner längeren oder in meiner sehr langen Kampagne Jetzt. Da hatten wir am Ende, glaube ich, sieben Spieler und das war echt schwierig. Einfach einfach von der Zeit her, aber auch dann vom am Spieltisch, wie sie so Dynamiken waren. Das war dann nicht immer so einfach. Also ich würde sagen, so drei bis vier Spieler, aber viel mehr muss ich also und das müssen halt so meine Spieler in Anführungszeichen sein, also Leute, mit denen ich auch gerne spielen will, die wissen was sie wollen, die sich einbringen usw Das ist schon sehr, sehr wichtig. Aber das ist jetzt mal unabhängig von der von der Welt und vom Setting natürlich. Wie ist das bei dir?
00:30:58: Oliver: Ja, ganz merkwürdig. Vielleicht, weil. Ich habe jetzt erzählt, wie ich von der Science Fiction dann zu Delta Green usw gekommen bin. Tatsächlich ist aber das Rollenspiel, was mich oder das Setting, was mich am meisten begeistert, berührt. Was ich glaube ich am liebsten spiele, ist eins, was mir gleichzeitig eigentlich tatsächlich mich förmlich krank macht. Im wahrsten Sinne des Wortes, was mich ziemlich deprimiert und gleichzeitig auch irgendwie komplett fasziniert und das ich jetzt noch gar nicht genannt habe. Und zwar das ist Kult. Ein Horror Rollenspiel, was irgendwann in den Neunzigern auch in Schweden rauskam, was dann auch über Truant in Deutschland verlegt wurde. Und ähm, das ist tatsächlich ein Spiel, was ich bis jetzt nur ganz selten gespielt habe. Aber was mir jedes Mal, wenn ich das gespielt habe. Ich würde mal sagen, mit die intensivsten Momente meiner Rollenspielkarriere beschäftige beschert hat. Und das eigentlich auch schon über die ganze Zeitachse, die ich vorhin beschrieben habe, hinweg. Ja, bei Kult ist nämlich tatsächlich so! Während ich also da noch in meiner Gerade gelernt wie Fantasie geht, angefangen Traveller zu spielen, war ich tatsächlich dann auch auf den ein oder anderen Cons und auf einem dieser Cons. Damals war ich, wie gesagt ein junger Junge. Keine Ahnung wie alt waren wir da? Dreizehn oder sowas. Also also Kinder und ich war dann so auf so einem Con, ich glaube in Frankfurt oder ich weiß gar nicht mehr genau, wo der war. Und da wurden so verschiedene Spiele so vorgestellt und man konnte sich in Spielrunden eintragen und dann war da so Kult. Ja, das Horrorrollenspiel Splatterpunk. Und damals hatte ich dann auch gerade angefangen, so Splatterpunk zu lesen und dachte so Och, interessant, das machst du mal, dann komme ich da an diesen Tisch und dann ist da so ein Gothic, so ein richtiger Grufti, würde man sagen ein Gothic Typ als Spielleiter und ich damals so kommt von so einer Schule wo das höchste der Gefühle waren, so Mädler. Die anderen waren alle so typische neunziger Jahre, Popper so noch nie Berührung gehabt. Und dann führte dieses Setting ein und sieht dabei aus wie der lebende Tod selbst. Und das war so immersiv, wo ich dachte Alter Verwalter, das ist ja jetzt schon gruselig. Nur bei der Charaktererschaffung, also als kurze Anekdote fand ich mega geil. Das Spiel dann auch gespielt und ich dachte Oh mein Gott, das ist der Sweet Spot, der mich emotional am meisten berührt. Dieses ich sag mal so, dieser typische neunziger Jahre Horror, dieses Merkwürdige irgendwo unter unserer Oberfläche, die wir so sehen, könnte immer was stecken, was total grauenvoll ist. Ja, was so ein Clive Barker damals sehr, sehr gut herausgearbeitet hat. Und sowas hat mich super gepackt und irgendwie ganz, ganz tief berührt. Aber es war natürlich ein Spiel, was du gar nicht so einfach umsetzen konntest, weil A Das ist kein Spiel, wo du eine Kampagne mitspielen kannst. Ja, und wir kamen aus diesem klassischen Charakter Entwicklungsdenken und Spieler wollen leveln und wollen mehr Schätze und bessere Waffen und besser werden. Das war ja ein großer Bestandteil des Rollenspiels. Kult ist absolut nihilistisch. Ja, du bist entweder verschlingt und zermalmt dich das Böse oder aber du bist es selbst und du brauchst eine gewisse Art von Spielern dazu. Und das habe ich lange nicht gehabt. Lange nicht gefunden. Bis dann. Irgendwie halt so durch diese Faszination mit dieser Geschichte, mit diesem Setting. Meine erste Runde als Spielleiter zustande kam dann auch übrigens mit dem Resa, mit noch ein paar anderen Personen, mit einer aus unserer Schule, der kamen die eben auch so aus dem Black Metal und sowas kam und so, ich sag mal so ein bisschen so ein Kreis hat sich gefühlt wie bei einer Seance, also so richtig gruselig. Und das war so dieses zweite Schlaglicht in der Rollenspielkarriere und wir haben das gespielt. Ich habe ein Abenteuer präsentiert, was man eigentlich, würde ich jetzt mal behaupten, war das nur ein bisschen ein gehypter Dungeon Crawl Aber Scheiße haben wir uns gegruselt. Ja, ich weiß nicht, wie das gelungen ist, aber durch dieses Setting und das war halt auch alles. Alles was dort passiert ist, war für uns und die Spieler neu und es war mega, aber nicht reproduzierbar. Also ich. Es war unmöglich, das in eine Kampagne zu übersetzen und dieses Gefühl, was du dort hattest bei mir zum Ersten Mal auf der Con, zum Zweiten Mal beim ersten Mal Meistern dieses dieses eigenen Abenteuers, das zu reproduzieren und das ging einfach nicht. Ja und dann kam so in den dann so in den zwei tausend zehn, dann habe ich ein eigenes Rollenspielmagazin gehabt, da habe ich dann Abenteuer dafür geschrieben, habe den auch so ein bisschen gespielt, aber es war nie so dieses Ding, dass das jemals so zu einem festen Bestandteil wurde. Und dann erinnerst du dich, In der Pandemie haben wir dann mal online gespielt mit den neuen Kultregeln, die ich gerne ausprobieren wollte. Und das muss ich sagen, Allein die Vorbereitung für dieses Abenteuer und dann auch so die Dynamik zwischen uns Spielern und diese unfassbar düstere, ich sag mal zersetzende Stimmung, die dadurch entstanden ist, das war für mich perfekt. Das war dieses Perfect Sweet Spot, dieses ein perfektes Gericht kochen und das sogar über Onlinemedien, wo ich wirklich dann Depression. Ich konnte nicht schlafen davon, weil mich das so mitgenommen hat, diese Geschichte und diese Düsternis, die da rauskam. Und genau das wollte ich mit Cult erreichen. Und genau das hat auch irgendwie funktioniert und das muss ich sagen, dreimal gespielt, wenn man das jetzt mal zusammenzählt. Aber das ist für mich das Nonplusultra, die Perfektion, zu einem Klimax zu kommen in Atmosphäre, in Storytelling, in perfekter Dynamik zwischen Spielleiter, Spielern und dann auch noch mit diesem neuen Kult Regelsystem. Diese perfekte Melange der The Perfect Storm, würde ich sagen. Und deshalb ist meine Antwort auf eigentlich, dass das beste Setting, auch wenn ich es eigentlich nur ganz selten spielen kann und das auch nie wirklich dazu kommen wird, dass das aus der Natur der Sache heraus öfter gespielt werden kann. Mit der gleichen Intensität, die ich eben beschrieben habe, ist das mein Absolutes mit Abstand zu allen anderen. Meine besten Rollenspielmomente und meine Antwort auf Was ist für dich dein Lieblingssetting?
00:37:14: Speaker 3: Krass, Krass.
00:37:15: David: Ja und vielleicht noch mal zurück. Also super beeindruckend. Und auch, mit welcher Begeisterung, mit welcher Verve du das beschreibst. Und ich kann mich sehr, sehr gut natürlich an diese Runde erinnern. Aber dann noch mal zurückgefragt und an dich zurückgeworfen. Die Frage ähm, Setting Spieler System, was ist da was? Was spielt da die entscheidende Rolle? Also wäre dieses, hättest du dieses Gefühl mit dem Kult, was du jetzt beschrieben hast, auch in einer größeren Runde gehabt, mit anderen Spielern gehabt und mit einem anderen System gehabt?
00:37:47: Oliver: Nein. Also ich glaube, dass ganz ganz wichtig ist, dass ein vierter Punkt, den du noch gar nicht genannt hast, der auch total außerhalb dieses ganzen Rollenspiels ist, und zwar dieses wie soll ich das sagen, dieses Gefühl. Also ich muss da noch mal tiefer reingehen. Also ich bin ein Mensch, der sehr fasziniert ist von der Dunkelheit, von Dingen, die ich sag mal dunkel okkult, im wahrsten Sinne des Wortes okkult verborgen sind. So ungefähr. Und das? Vielleicht bin ich so eine Art Suchender, weil ich ganz oft in meinem Leben so das Gefühl hatte, an Punkten, an Momenten im Leben Gedankengänge hatte, wo ich mir gesagt habe, da könnte jetzt was hinter dem sein, was man sieht oder was man nicht sieht. Ja, ob das als Kind ist? Einen Besuch in einem wortwörtlichen Dungeon erinnere ich mich also im Kerker einer Burg, wo sofort, so man das Gefühl hat, so aus den Ritzen dieses Mauerwerks trinken, so als könnte der Geschichten erzählen. Und die sind nicht sehr schön, oder? Später auch, als ich dann zu musikalischen Metal und später auch sehr stark das ganze Gothicthema usw für mich eine Rolle spielte. Dieses da muss doch noch mehr sein und irgendwas ist doch dort was was zwischen zwischen was hinter der Dunkelheit liegt. So dieses die Lust am Grauenvollen. Vielleicht auch diese Beschäftigung mit düsteren Themen. So, das habe ich immer gesucht, in der Musik, in der Literatur. Deshalb auch vielleicht das Interesse für Cyberpunk damals am Anfang, aber auch so in meinem alltäglichen Leben. Ich weiß noch, damals, als ich ins Ruhrgebiet kam zum Studium, wie sehr mich das fasziniert hat, diese verrottenden Industrieruinen. Ja, wie oft bin ich mit meinem Fahrrad durch alte Zechen gefahren, durch stillgelegte Stahlwerke, überwucherte Bahnstrecken entlang, weil mich diese morbide Faszination dieser Orte interessiert hat. Ich kann das gar nicht so beschreiben. Das war so ein Gefühl, und das habe ich auch immer noch. Mich interessieren am meisten Dinge, die man eher so ins dunkle Spektrum Spektrumvielleicht packen würde. Ja, im Horror, in der Literatur, in solchen Sachen. Und deshalb, um da den Bogen zu schließen Was für mich das perfekte System eigentlich ausmacht, ist so dieses Gefühl in mir ein Gefühl oder eine eine Suche mit einer Antwort zu versehen, die für mich selbst keine Relevanz hat. Also eine Story. Das Gefühl zu haben, eine Story zu erleben, die wirklich perfekt zu meinen Interessen passt. Das ist das, was bei Kult bei dem Setting an allererster Stelle steht. Dann erst das Setting selbst. Also das ist jetzt dieses kontemporäre Horror Setting ist. Das ist vielleicht dem geschuldet, dass ich eben auch gerne in unserer Welt, die die dunklen Seiten erkunde und und mag und mir anschaue und und davon fasziniert bin. Deshalb ist das Setting damit natürlich am allernächsten, weil greifbar. Dann mit Sicherheit die Regeln, weil so eine Offenbarung wie mit den neuen Kultregeln, dass ein System derartig genial ein Spiel unterstützen kann, habe ich auch noch nie erlebt. Und also absolutes Kudos an dieses diese Macher des neuesten Kultregelwerks mit diesem ich glaube powered by the Apocalypse oder was da dahintersteckt. Unfassbar genial, wie das dieses Spiel unterstützt, Weil das war früher auch so ein klassisches Rollenspielsystem mit Werten und dies und das. Und man hat immer gefühlt so ein bisschen den Disconnect zwischen dem, was man eigentlich erleben will und dem, was das Regelwerk macht. Die neuen Regeln unterstützen das. Unfassbar geil und deshalb auch für mich an zweiter Stelle dann sofort diese Regeln und an an letzter Stelle. Vielleicht aber ist dann natürlich die Zusammensetzung der Spieler usw wichtig. Wobei man das halt jetzt am wenigsten bestimmen kann, weil ich das. Also dieses Gefühl, was ich habe, das muss ja nicht zwangsläufig jemand anderes auch haben. Aber gleichzeitig lebt schon so ein bisschen davon, dass sich alle auf diese sehr sehr stark destruktiv düsteres Atmosphäre einlassen, weil das würde nicht funktionieren, wenn ich mit jemand an einem Tisch sitze, der auf jeden Fall der Beste sein will und jedes Monster schlagen will und sein einziges Interesse daran ist, dem eine Waffe zu klauen, um für das nächste Abenteuer besser zu sein. Was ich meine?
00:42:03: Speaker 3: Absolut.
00:42:04: David: Und ich glaube, keiner von uns. Wir waren ja drei Spieler. Und wir haben ja alle schon mit dir auch lange schon gespielt. Und ich würde auch alle sagen, dass wir erfahrene Spieler sind, aber ich glaube, keiner von uns wusste so richtig, was, auf was es hinausläuft, da was wir uns da eingelassen haben. Aber wir hatten alle so diesen Konsens. Wir hatten alle das Agreement, dass wir uns darauf einlassen, auf die Stimmung, die du erzeugst, auf die Geschichten, die du hinter unsere Charaktere so ein bisschen gesetzt hast. Also du hast ja jedem von uns noch mal so eine zusätzliche Hintergrundgeschichte gegeben, die wir erst im Zuge der der, der der Sessions, waren ja nicht so viele. Vier fünf vielleicht, dass das so erkannt haben und und herausgearbeitet haben. Aber wir hatten alle. Wir haben uns alle darauf eingelassen und wir wollten alle auch so diese diese Stimmung einfach auch aufgreifen, was die du beschrieben hast und wollten dann aber trotzdem irgendwie funktionale Menschen spielen in dieser Stimmung und ich glaube, das hat super gut gepasst, weil du natürlich auch die richtigen Leute, glaube ich, rausgesucht hast, die sich darauf einlassen. Auch die richtige Größe. Das ist jetzt halt nicht wie bei mir jetzt in meiner Fantasie irgendwie sieben Leute sind, die da am Tisch sitzen, sondern halt drei. Ähm, ich ich glaube, das war schon, das war schon wichtig, so ne.
00:43:21: Oliver: Ja, also man muss halt auch wirklich dazu sagen. Ich verstehe das natürlich auch als als Ausnahmeevent würde ich sagen, eine Kultsession zu spielen, das erfordert den perfekten Sturm, die perfekte Mischung, die man nicht immer so aktiv beeinflussen kann. Das ist einfach so und es ist natürlich auch ein sehr Individuelle Connection, weil das halt für mich so diesen das Gefühl gibt, als würde mir Kult ein Tor in einen Teil meiner Gefühlswelt öffnen, wo ich lange auf der Suche war. Wie kann ich, wie komme ich da dran? Was? Was ist dieser Kern in mir? Also schwer zu beschreiben. Es ist halt wirklich ein sehr, sehr persönlicher Connect hier, wie Oliver die Welt sah. So ungefähr, ja und deshalb mein Lieblingssystem. Aber es ist grundsätzlich einfach nicht reproduzierbar und daher natürlich auch jetzt eine ganz besondere Ausnahme.
00:44:19: Oliver: wenn du es betrachtest unsere lange Geschichte. Wie finde ich denn das perfekte System? Was hast du denn auf dem Weg dahin so alles gebraucht, um für dich jetzt auch in dieser Situation zu sein, dass du Forgotten Realms so anpasst, dass es für dich richtig anfühlt, dass so ein Gefühl dafür hast, was die richtige SpielgruppenGröße ist usw. So hat es lange gedauert. Wie ist so dein Entwicklungsweg denn gewesen? Was würdest du auch jemanden mitgeben, der für sich so das perfekte System sucht? Wie, würdest du da Empfehlungen aussprechen?
00:44:51: David: Ja, ganz, ganz einfache Antwort für einen gar nicht so einfaches Problem. Der Weg ist das Ziel. Einfach raus. Einfach ausprobieren. Also ich wusste am Anfang nicht, was ich genau will und ich habe auch so glaube ich nach drei Jahren noch nicht genau gewusst, was ich genau will. Und heute weiß ich ziemlich genau, was ich jetzt will, aber das kann in zwei Jahren auch wieder anders sein. Ich glaube nicht, dass es sich noch wahnsinnig verändert. Aber es kann natürlich sein und ich lerne immer neue Dinge. Ich lerne durch dich neue Sachen kennen. Du hast mich in diese Delta Green Geschichte gebracht. Ich lerne über diesen Podcast von dir sehr, sehr viel, weil ich zum einen natürlich von dir und zum anderen, weil ich mich natürlich in den Vorbereitungen mich auch mit ein bisschen breiter mein Nestroy jetzt durch diese Stammtischgeschichten Schichten lerne ich neue Dinge. Und ich? Ich glaube, dadurch verändert sich das, was mir vielleicht auch gefällt. Und mir wird klarer, was ich vielleicht will, was ich suche. Ich habe mich nie wirklich hingesetzt und systematisch Pro Kontra Listen geführt und abgewogen. Das und das brauche ich jetzt, sondern ich habe einfach gemacht und habe gemerkt, was mir gefällt und habe rausgeschmissen, was mir nicht gefällt. Und das so ganz iterativ langsam so aufgebaut, was sehr anders ist, als ich sonst so an Dinge ran gehe, an mein Leben herangehe und an meine Arbeit ran gehe. Aber so im Rollenspiel. Einfach weil es halt auch mein Hobby ist. Ich habe einfach ausprobiert und mache es auch immer noch gerne und versuche so Learnings draus zu ziehen. Die überlege ich mir dann relativ systematisch. Also was lerne ich jetzt daraus, Was nehme ich daraus mit? Aber alles auf so einem, auf so einer wirklich sehr explorativen Art und Weise. Und das fällt für mich dann auch so ein bisschen, das Ganze sehr frisch und und neu, dass das halt immer wieder Möglichkeiten da sind, von anderen Leuten zu lernen. Das würde ich. Das wäre meine Antwort auf die Frage Hast du da? Hast du dann eine Antwort?
00:46:38: Oliver: Ja, also tatsächlich auch ausprobieren, Dinge ausprobieren. Also ich habe zwischendurch auch immer wieder andere Spiele gespielt und mir angeguckt, wie die funktionieren. Ob das jetzt Twilight zwei tausend war oder ob das Beispiel auch wie heißt es Daggers in The Dark oder so ähnlich. Also diese diese Indie Games die auch rauskommen. Also ich glaube dieses immer mal wieder Sachen ausprobieren. Jetzt momentan probiere ich zum Beispiel Blade Runner aus. Das Spielsystem ja, obwohl es natürlich sehr, sehr cyberpunkig ist, aber grundsätzlich einfach immer wieder zwischendurch, wenn man es kann, versuchen was Neues zu spielen. Weil hätte ich damals nicht gedacht. Ach, ich probiere auf dem Con erstmal dieses Kult. Wär ich ja nie drauf gekommen, was das überhaupt ist. Ja, hätte ich nicht irgendwie Kollegen gehabt, die gesagt haben Hey, da gibt es dieses Coole das ist ganz geil, hätte ich nie ausprobiert oder auch dann daraus dann Derivat Delta Green kennengelernt usw. Ich glaube ausprobieren ist der Schlüssel, aber wir sind ja hier ein Spielleiter Podcast und was ich durchaus verstehen kann und so geht es mir natürlich auch. Es ist eine andere Sache, ein Indie Game mit sage ich jetzt mal salopp fünf Seiten Regeln mal eben auszuprobieren versus ein Monster wie DSA oder Shadowrun auszuprobieren, wo es gefühlt erstmal ein ganzes Studium erforderlich macht, um das ganze Spiel zu können. Und das ist tatsächlich bei mir so etwas, wo ich Respekt vor habe und wo ich auch tatsächlich überlege Oliver, lohnt es sich noch in deinem Alter, dich jetzt noch mal in die neueste Shadowrunversion reinzudenken? Und da habe ich vielleicht für mich so einen Weg gefunden, der vielleicht auch für andere hilfreich ist. Und zwar es gibt ja so diesen alten Spruch Wie isst man einen Elefanten scheibchenweise Und das tatsächlich mache ich auch mit großen Universen und Regelsystemen, also wo es sehr, sehr viel ausgearbeitete Literatur gibt, wo man also auch eventuell Spieler hat, die die Welt oder die Regeln besser kennen als man selbst. Ich filetiere mir das und ich sage dann zum Beispiel bei Shadowrun oder auch bei DSA. Ich nehme mir jetzt mal einen Aspekt aus dieser Welt, der mich besonders interessiert, und den bereite ich dann vor. Also ob das dann der Hintergrund ist, erstmal, den ich antesten will. Also jetzt bei Shadowrun zum Beispiel erstmal sagen alles klar, Der erste Run wird vielleicht mal nicht mit Matrix und Co sein, sondern erstmal nur ein reiner Muskelding, wo man kämpfen muss. Zum Beispiel weil ich mich erstmal auf den Kampf fokussiere und dann bereite ich eben so ein Setting vor mit mit einem kleinen Aspekt der Regeln und erklärt es dann auch meinen Spielern und sagt hier, pass mal auf, so die ersten zwei, drei Sessions, die wir zocken, die sind, dass wir uns ein bisschen eingrooven können und lass uns das jetzt mal machen. Bei Blade Runner jetzt zum Beispiel habe ich neulich gesagt okay, explizit heute ist die Regel des Tages, wir üben jetzt mal eine Verfolgungsjagd. Deshalb habe ich jetzt diese Szene hier vorbereitet. Natürlich habe ich nicht so die Szene eingeleitet, sondern in dem Moment, wo wir die dann durchgespielt haben, habe ich gesagt Guck Guckt mal hier, das haben wir mal eine Verfolgungsjagd getestet. Und dadurch kann ich so ein bisschen dieses Monster, etwas Neues kennenzulernen, runter reduzieren auf einzelne Teilaspekte. Da dann auch ein Gefühl für das Regelsystem so ein bisschen kriegen da dann recht schnell rausfinden. Zum Beispiel dass eine Steering Stevens Exploit Regel mir das ganze System ruiniert und ich überhaupt keinen Bock mehr habe, das zu spielen, anstelle dass ich mich hinsetze und erstmal tonnenweise Material wälze, um dann perfekt vorbereitet einmal so eine Runde auszuprobieren. Ist eigentlich das so? Mein Tipp Und dadurch traue ich mich auch an größere, umfangreichere ältere Systeme ran und probiere sie eigentlich gerne aus, weil selbst wenn ich es dann nicht weiter spiele, jedes System und jedes neue Spiel gibt mir sicherlich ein Learning, was ich nehmen kann, um dann in meinem Lieblingssystem ein Stück besser zu werden. So sehe ich das. Ja, ja.
00:50:16: David: Ja, super, super Punkt. Gerade mit diesem scheibchenweise. Ich habe das genauso gemacht, als wir jetzt Savage Worlds ausprobiert haben, jetzt für unsere aktuelle Bloodland Kampagne. das habe ich. Genauso habe ich das auch aufgebaut. Also wirklich, Das scheibchenweise jedes, jede Session war halt so eine Regel sozusagen im Fokus oder ein Regelkonzept, was so ein bisschen im Fokus. Und jetzt ist Savage Worlds jetzt nicht so super komplex und super ausartet, aber es hat. Trotzdem habe ich das trotzdem so gemacht, dass halt auch die Spieler da so langsam herangeführt werden, sodass ich von den Spielern nicht erwarten muss, dass die jetzt alle Regeln vorher gelesen haben, dass das auf keinen Fall passiert. Das jetzt gerade auch in jetzt mit den Leuten, mit denen wir spielen. Wir sind halt alle nicht mehr fünfzehn und haben jetzt die ganze Zeit haben sie alle Zeit der Welt. Aber noch mal zurück zu dem, was du, wie du die ganze Problematik oder diesen ganzen Punkt eingeleitet hast. Ich finde es aber auch absolut okay. Bei aller ich bin offen und möchte neue Sachen lernen. Ich finde es absolut okay, wenn man sagt, also solche Monster wie Regelmonster wie jetzt Pathfinder oder D&D drei Uhr fünf oder was auch immer mir da jetzt einfällt, das kommt mir halt nicht mehr auf den Tisch, weil ich ich habe. Ich habe kein Interesse daran, diese Regeln zu machen. Es gibt so viele coole neue Regelwerke, die so regelarm sind und die sehr viel besser zu der Art passen, wie ich Geschichten erzählen möchte, als da jetzt irgendwie halt super komplexe Regeln über So funktioniert Magie, oder Hier habe ich eine super Regel fürs Grappling, die halt Multi, die super realistisch oder was auch immer ist, die aber halt überhaupt nicht so ist wie die anderen Kampfregeln. Also das brauche ich halt nicht mehr. Aber das habe ich halt auch rausgefunden über langes Spielen. Und ich habe lange, also auch komplexe Spiele gespielt und weiß, ich war immer gut darin, sozusagen so die Exploits zu finden und die Spielsysteme zu verstehen und zu durchdringen. Aber es macht mir halt. Das interessiert mich nicht mehr und das habe ich halt auch gelernt, einfach über die letzten dreißig Jahre. Und das finde ich, ist halt auch ein guter Punkt, bei allem offen sein. Einfach zu sagen, gewisse Sachen brauche ich nicht mehr.
00:52:08: Oliver: Genau. Also ich glaube, das ist halt natürlich was. Das kommt dann mit der Erfahrung. Und um die Erfahrung überhaupt zu haben, sollte man aus meiner Sicht auch als Spielleiter, auch wenn es mehr Vorbereitung bedarf als als Spieler. Wobei DD das Spielerhandbuch aktuell da ist der meiste Teil natürlich an den Spieler gerichtet. Also auch da muss man ein bisschen studieren, aber im Generellen ist die auch der Aufwand des Spielleiters immer ein bisschen höher. Ich würde trotzdem mal sagen, solange man halt nicht wirklich verstanden hat, was für einen das perfekte System ist, so wie du es gerade beschreibst, da wird das halt schon sehr gesettelt und sehr viel Erfahrung hast und das dadurch gut beurteilen kannst. Einfach mit meiner Rollenspielkarriere in der Retrospektive gesehen. Einfach wirklich mutig sein und sich nicht davor scheuen, jedes System, was einen auch nur annähernd interessiert, zu schnappen, auszuprobieren, eventuell damit sogar zu spielen und dann zu entdecken Wow, das ist geil für mich, Weil was ist denn besser als deine Geschichte, dass ich dich aus deinem Fantasieloch gerettet habe und Delta Green präsentiert habe, oder? Also besser kann man es nicht illustrieren.
00:53:15: David: Das hat allerdings nichts mit diesem katholesken Rollenspielsystem zu tun, sondern das ist die Welt und das ist das Setting und das ist so, wie du es präsentierst, also das, das muss ich, das muss ich schon sagen, das hat nichts mit diesen schrecklichen Cthulhu Regeln zu tun.
00:53:31: Oliver: David, das ist die falsche Antwort, würde ich sagen. Oliver, Danke, dass du mich gerettet hast.
00:53:36: David: Das ist definitiv der Fall. Das habe ich. Habe ich auch schon zum Ausdruck gebracht, dass ich dir mein Leben lang dankbar sein, dass du mich mit Delta Green infiziert hast. Und. Ja, aber das gibt ja noch viele andere Gründe, warum ich dir dankbar bin. Unter anderem die von dir angesprochene Fanbewegung für meine Powerlifting Karriere.
00:53:56: Oliver: Sehr gut. Ja, auf jeden Fall. Danke dir für die spannenden Insights auch mal in deiner Antwort auf die Frage Was ist eigentlich das perfekte System? Ich glaube, man hört, dass es nicht so leicht ist, das zu beantworten. Gerade wenn man eine lange Karriere hinter sich hat. Und die Antworten sind, glaube ich, so vielfältig wie die Spielleiter da draußen. Ich glaube Ziel heute der Folge war es einfach mal so ein bisschen an unserem eigen erlebten Beispiel diese Reise mal zu illustrieren und genau das mal aufzuzeigen und Mut zu machen, das Thema auszuprobieren, aber auch gleichzeitig zu reflektieren, wie viel unterschiedliche Bewertungsfaktoren es überhaupt gibt, was denn so ein Lieblings Setting ausmacht und das finde ich, ist ganz gut gelungen. Ganz interessant auch noch mal gerade die Aspekte, die du gesagt hast, dass eben auch gerade das ganze Thema der Einfachheit eines Systems, um eben auch schnell so ins Spiel zu kommen und so jetzt mittlerweile eine große Rolle für dich einnimmt. Das finde ich illustriert ganz gut. Du sagst, du kommst aus AT und DE und jetzt bist du gerne mit modernen Spielsystemen unterwegs. Ich finde das das gibt einen schönen Bogen und der auch mal zeigt, wie so eine Entwicklung gehen kann. Und ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen in dieser Folge, oder?
00:55:11: David: Ja, finde ich auch. Also ich denke auch, dass wir einiges gelernt haben. Also ich habe auf jeden Fall einiges gelernt. Nicht zuletzt persönlich über dich und deine Präferenz oder deinen Zug. Den Zug zur okkulten Seite der Welt. Das hast du fand ich finde ich sehr schön persönlich dargestellt. Und ja, das Danke dafür. Das war's. Würde ich auch sagen für heute mit dem zwei B12 Podcast. Schön, dass du dabei warst, Olli. Vielen Dank für die schöne Idee, dass wir über dieses Thema heute sprechen. Schön, dass ihr dabei wart, zugehört habt, vielleicht ein bisschen mit gerätselt habt, was da jetzt als nächstes so auf euch kommt, auf euch zukommt. Jedenfalls, wenn euch die Folge gefallen hat, dann abonniert uns. Das geht am besten über Instagram. Zwei W zwölf Podcast. Erzählt euren Mitspielern von uns und meldet euch sehr, sehr gerne, wenn ihr Hinweise habt. Fragen etc. Gedanken, Meinungen, Ideen. Das wäre der David und.
00:56:08: Oliver: Das war der Oliver.
00:56:09: David: Bis zum nächsten Mal. Ciao.
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